Ein paar grundlegende Informationen über Sierra Leone:

Land der Freien - heute wohl eher Land der Verelendeten... Gegründet von den Engländern 1787, indem sie freigelassene Sklaven und einige Prostituierte dort siedeln ließen; als diese von der ansässigen Bevölkerung fast alle umgebracht wurden, gab es von Seiten der Briten einen zweiten Versuch 1790, diesmal unter Militärschutz. Dieser zweite Termin ist wohl eher als Gründung anzusehen. Die Siedlung erhielt den heutigen Namen Freetown, und die Siedler blieben im Gegensatz zum Nachbarland Liberia in der Stadt und der direkten Umgebung. Darin wurde aber auch der Grund gelegt für den momentanen Zustand: es fand nie eine Integration oder ein Vermischen mit der örtlichen Bevölkerung statt, aber die Minderheit der Freigelassenen verstand es, die Macht im Land zu bekommen und zu behalten. Schade für das schöne Land - es hätte eine bessere Zukunft verdient.

Klimatisch liegt es in den feuchten Tropen mit 2500 bis 5000 Millimeter Niederschlag. Landwirtschaftlich hat Sierra Leone eine ziemliche
Vielfalt anzubieten - neben den Nahrungsmitteln für die Bevölkerung (Reis, Maniok, Süßkartoffeln, Mais, Hirse, Erdnüsse) wird Kaffee und Kakao für den Export angebaut. Sierra Leone ist reich an Bodenschätzen - vor allem auch an Diamanten, wahrscheinlich der Hauptgrund für den Krieg.

Vor dem Krieg war
Freetown eine wunderschöne Stadt mit Palmen, Bananenstauden, weißen Sandstränden, freiem Blick aufs Meer, ... Heute ist nicht nur ein großer Teil Freetowns, sondern fast ganz Sierra Leone durch den neunjährigen Bürgerkrieg zerstört, einer der grausamsten Auseinandersetzungen in Afrika mit mindestens 100.000 Toten. Immer wieder wurde von Verstümmelungen bei lebendigem Leib berichtet, von Misshandlungen, Vergewaltigungen und willkürlichem Abschlachten; außerdem wurden hier besonders viele Kindersoldaten (Seite 169) eingesetzt, die oft in „small boys units" zusammen gefasst wurden und unter Drogen gesetzt wurden. Mit Hilfe der westafrikanischen Eingreiftruppe ECOMOG konnte im Juli ein Friedensvertrag ausgehandelt werden. Bezahlt wurde alles mit Diamanten - sowohl die Regierung als auch die Rebellen um Foday Sankoh brachten Diamanten für Hunderte von Millionen Dollars ins Ausland. Zwischen 1994 und 1998 wurden über 30 Millionen Karat nach Antwerpen und Mumbay (Bombay) verbracht. Die meisten Diamanten wurden und werden über Liberia geschmuggelt - während das Land offiziell nur für etwa 42 Millionen DM Diamanten exportierte, wurden allein in Antwerpen seltsamer Weise sierraleonische Diamanten im Wert von 162 Millionen DM gehandelt. Laut Friedensvertrag war Sankoh nicht nur Vizepräsident, sondern auch noch verantwortlich für die Diamanten- und Goldminen. Für alle Kriegsverbrecher gibt es eine Generalamnestie, für die UNO ein gefährlicher Präzedenzfall, aber offenbar die einzige Möglichkeit, überhaupt jemals wieder zu einem Frieden im Land zu kommen. Leider hat nicht einmal dieser Präzedenzfall Sankoh davon abhalten können, weiter Krieg zu führen. Er war nie bereit, die UNO-Soldaten in die Diamantenminen kommen zu lassen. Die vorüber gehende Geiselnahme von 500 UN-Soldaten hat jedoch die Stimmung im Land nun endgültig gegen Sankoh umschlagen lassen. Seine Festnahme im Mai 2000 wurde von vielen Regierungen innerhalb und außerhalb Afrikas begrüßt. Dass das Land sich aber teilweise auch wieder beruhigt, sieht man daran, dass das Internationale Rote Kreuz bis zum Sommer 2000 schon 200.000 Haushalte mit Saatgut (Reis) versorgt hatte, für 2001 weitere 20 Millionen US-Dollar versprochen hat und das World Food Program Ende Juli 2000 damit begonnen hat, über 400 Kilometer Straßen in den südlichen und östlichen Provinzen zu reparieren und die S.L. Roads Authority wieder mit Fahrzeugen zu versehen. Dennoch gibt es fast täglich Meldungen über neue interne Flüchtlinge - immer handelt es sich um etliche Hundert oder sogar Tausende Flüchtlinge. Gleichzeitig gibt es aber auch Rückkehrer, hauptsächlich aus Guinea, bis Ende 2000 waren es 19.000 Flüchtlinge. Das Internationale Rote Kreuz geht von 500.000 internen Flüchtlingen („displaced persons") aus, von denen 200.000 im Jahr 2000 fliehen mussten.

Nach einer Absprache mit dem UNO-Sicherheitsrat wurde entschieden, dass nur Soldaten ab 15 Jahren gerichtlich belangt werden sollen - Kindersoldaten unter 15 dagegen sicher nicht. Die letzten Kinder unter 15 Jahren wurden Ende Februar 2001 entlassen; von UNICEF werden 459 Kinder in verschiedenen Zentren im Land betreut.

Die
Nachbarstaaten sind Liberia im Süden und Guinea im Osten und Norden.

Sierra Leone ist
unabhängig seit 1961.

Einwohnerzahl: etwa 5 Millionen, davon 35-40 % in Städten lebend. Die größten Städte sind Freetown mit vor dem Bürgerkrieg 1,5 Millionen Einwohnern, davon heute mindestens 80.000 Flüchtlingen, Koidu mit 100.000 Einwohnern und Bo im Diamantengebiet mit eigentlich nur 60.000 Einwohnern, aber über 100.000 Flüchtlingen; Kenema und Makeni haben jeweils etwa 60.000 Einwohner. Noch immer fliehen Menschen in den Nachbarstaat Guinea.

Die Amtssprache ist Englisch.

Die
Haupteinnahmequellen des Staates sind Diamanten- und Goldverkäufe. Öl- und Gasvorkommen werden in einem 2500 km² großen Offshore - Gebiet vermutet, das an das Liberia-Becken anstößt. Das angegebene bzw. errechnete Bruttosozialprodukt liegt bei 140 US-$ je Einwohner - ungefähr 40% von dem Bangla Deshs.

Das
Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef, ist im Moment der bisherige Staatschef, Alhaji Ahmad Tejan Kabbah; Vizepräsident ist Albert Demby.

Von der
Bevölkerung sind 40 % Moslems, 10 % Christen, viele Anhänger von Naturreligionen.

Die
Lebenserwartung ist schon 1995 angegeben worden mit gerade mal 37 Jahren wegen einer unglaublich hohen Kindersterblichkeit von 30 % (dagegen zum Beispiel die Seychellen mit nur 1,9 %!). Durch den Bürgerkrieg und die Zerstörung aller medizinischen Einrichtungen ist diese Durchschnittszahl noch weiter gesunken auf (Angaben der WHO vom Juni 2000) gerade mal 26 Jahre !!!!! und damit ein trauriger Rekord nicht nur in Afrika, sondern lt. Statistischem Amt der UNO weltweit! Ausgerechnet in der am ehesten „wohlhabend" zu nennenden Diamantenprovinz Kenema liegt die Säuglingssterblichkeit bei unvorstellbaren 33 %.
Nach einer Untersuchung Mitte 2000 gibt es in Sierra Leone allein 3750 Amputierte, 650 davon Frauen (selbst Kinder!!). 656 Amputierten wurde mehr als eine Gliedmaße meist brutal abgetrennt. Hierzu siehe die Seite
Freundschaftsgesellschaften (page 9) mit der Anschrift des Vereins CETMI in Berlin!

Die
Vertretung für Deutschland, Österreich und der Schweiz ist (bis zu einem möglichen Umzug nach Berlin):
Rheinallee 20, 53173 Bonn, Tel. 0228 / 352001; Konsulat: Jungfrauenthal 51, 20149 Hamburg, Tel. 040 / 4104072

Es gibt ein
Buch Syl Cheney-Cokers (page 99) in deutscher Übersetzung und eine CD, die wir Ihnen gerne auf Anfrage besorgen (info@afrikahaus.net).

Die UNASIL - Friedenstruppe besteht aus Soldaten der folgenden Länder: Bangla Desch, Ghana, Guinea, Jordanien, Kenia, Nigeria, Russland, Ukraine und Sambia; amerikanische, kanadische und britische (Gurkhas) Soldaten drängen sich geradezu danach, die staatliche Armee aufzubauen und vor allem auszurüsten. Fairerweise sollte man aber zugeben, dass die Anwesenheit eben dieser Soldaten dazu geführt hat, dass der Kriegszustand allmählich abflaut (wobei die halbe Million Flüchtlinge innerhalb und außerhalb Sierra Leones nicht vergessen werden dürfen).

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