Ein paar grundlegende Informationen über das Land:

Eines der ärmsten Länder der Welt und leider auch fast nur als solches bekannt: Burkina Faso, Land der Glücklichen bzw. Ehrlichen, das ehemalige Obervolta, ist ein „landlocked country", ein Land ohne Zugang zum Meer. Aller Transport muss auf dem Land vor sich gehen. Erst 1984, am Jahrestag der „Revolution" 1983 von Haute Volta umbenannt, erlebte Burkina Faso viele verschiedene Regierungen, aber wohl bisher nur einen Regierungschef, der im Volk sehr beliebt war: den ebenfalls durch einen Staatsstreich (mit Blaise Compaore, Henri Zongo und Jean Baptist Lingani) an die Macht gekommenen Hauptmann Thomas Sankara. Ein Regierungschef, der vom Volk nicht mehr verlangte, als er selbst vorführte, der im Renault R 5 durch die Hauptstadt Ouagadougou fuhr - und wohl auch gerade deshalb 1987 von seinen eigenen Kollegen, nämlich Blaise Compaore und Freunden, ermordet wurde - ebenso wie Zongo und Lingani 1989.


Am Rand der Sahara, die immer weiter in Richtung Süden vorrückt, sind nur 10 % der Fläche ackerbaulich nutzbar. Nach etlichen Jahren mit schlechter Ernte (von der Sahelkatastrophe Anfang der Achtziger ganz zu schweigen) hat Burkina Faso 1999 vergleichsweise eine Rekordernte eingefahren. Dennoch bleibt für den Anbau von Exportfrüchten wie Baumwolle oder Erdnüssen fast kein Land über... Ausgerechnet hier kam es im August 2000 nach heftigen Regenfällen zu Überflutungen und einem Dammbruch (bei Bani, 200 Kilometer nördlich[!] von Ougadougou), der über 500 Menschen obdachlos machte. Folge ist eine erneute Missernte, die das Land um Nahrungsmittelhilfe bitten ließ (wie auch andere Sahelländer). Von einem Wüstenland wie Burkina Faso sollte man es nicht erwarten: ein großes Problem für die Wasserwege im Land sind Wasserhyazinthen, ein schnell wachsendes, sehr widerstandsfähiges Unkraut, das nicht nur den Fahrweg blockieren kann, sondern auch die Leistungsfähigkeit der hydroelektrischen Wasserkraftwerke beeinträchtigt und auch eine Ursache für die massiven Überflutungen sein kann. Mit einem Zweijahresprogramm will die Landwirtschaftsorganisation der UNO, die FAO, dieses Problem in den Griff bekommen.


Wegen der schlechten Infrastruktur und der Ferne von Häfen zur Verschiffung bleiben auch Bodenschätze wie Mangan, Zink und Silbererze bisher weitgehend ungenutzt. Seit April 2000 kommt es immer wieder zu größeren Unruhen und Demonstrationen gegen die Regierung im Land, Schulen und Universität wurden im April und erneut im Oktober 2000 geschlossen, woraufhin die Opposition einen 72-stündigen Generalstreik ausrief. Wegen Landproblemen kam es wiederholt zu Zusammenstößen, besonders in der Grenzregion zu Togo (zuletzt im Juli 2000).


Die Nachbarstaaten sind die Elfenbeinküste und Ghana im Süden, Togo und Benin im Südosten, Niger im Nordosten und Mali im Norden und Westen.


Burkina Faso ist unabhängig seit 1960. Erster Präsident war Maurice Yaméogo (1966 zurück getreten), danach wiederholt Militärputsche und immer wieder Grenzstreitigkeiten mit Mali, die 1985 erst durch Intervention der Elfenbeinküste beendet wurden.


Einwohnerzahl: etwa 11,7 Millionen, davon nur weniger als 20 % in Städten lebend; das Bevölkerungswachstum ist etwa 2,8 %.
Die größten Städte sind die Hauptstadt (seit 1441!) Ouagadougou mit geschätzt 750.000 Einwohnern, Bobo-Dioulasso mit 280.000 Einwohnern und Koudougou mit etwa 66.000 Einwohnern - soweit die Angaben von 1998: die neuesten Zahlen von Anfang 2001 sagen Ouagadougou über eine Million Einwohner, 580.000 Einwohner in Bobo-Dioulasso und damit doppelt so viel geschätzt wie vor zweieinhalb Jahren gezählt! Gut zwei Millionen Burkinaben sind nach Ghana und in die Elfenbeinküste emigriert. Von der Elfenbeinküste flohen Anfang 2001 Tausende (pro ankommendem Zug waren es im Januar 2001, 2 x pro Woche, über 2300 Menschen!).


Die Amtssprache ist Französisch, Umgangssprachen sind Moré, Ful und Mandé.


Die Haupteinnahmequellen des Staates sind zu 80 % landwirtschaftliche Produkte (Baumwolle, Tomaten, Bohnen, Mangos) mit den oben genannten Einschränkungen; ohne Hilfe von außen würde der Staatshaushalt wahrscheinlich zusammen brechen. Das Land gehört zu den 17 Staaten, denen der Internationale Währungsfonds im Dezember 2000 eine Schuldenentlastung (nicht „Erlass"!) zusagte. Burkina Faso hat eine florierende Filmindustrie - schauen Sie mal auf die Liste unserer Filmbesprechungen (page 32), Sie finden einige Filme aus Burkina Faso! Alle zwei Jahre werden diue größten und wichtigsten Filmfestspiele Afrikas FESPACO in Ouagadougou durchgeführt.


Hoffnungen macht sich der Staat auch auf den Tourismus. Ein drittes Reservat mit einer Größe von 28.000 Hektar wurde Ende 2000 im Osten des Landes eingerichtet, um die Existenz des Flusspferds (Hippopotamus) zu retten - die jetzige Population von 48 Stück soll bis zum Jahre 2010 auf [wie ausgerechnete?] 234 Stück steigen.


Das Staatsoberhaupt ist Blaise Compaore, sehr umstritten besonders wegen der Vorwürfe, er würde am Diamantenverkauf durch Angolas UNITA - privat! - ganz ordentlich verdienen (und damit den Krieg in Angola verlängern helfen). Außerdem wird ihm ein oft autoritäres Regime vorgeworfen, was u.a. der gewaltsame Tod des Fahrers seines Bruders, David Ouedraogo, und des den Tod untersuchenden Journalisten Norbert Zongo im Dezember 1998 zeigte. Immerhin wurde im August 2000 sechs Angehörigen der Präsidentengarde der Prozess wegen Folterung gemacht. Drei der Angeklagten wurden zu Freiheitsstrafen zwischen zehn und zwanzig Jahren verurteilt wegen Mordes an David Ouedraogo, der angeblich seinem jüngeren Bruder Blaise Compaore 19,8 Millionen Franc CFA gestohlen habe - das waren damals etwa 100.000 DM, zwei der anderen wurden frei gesprochen, dem sechsten wurde auch noch der Mord an Norbert Zongo zur Last gelegt und er dafür zu 20 Jahren Haft verurteilt. Erst Anfang 2001 wurde auch der ehemalige Leiter der Präsidentengarde des Mordes an Norbert Zongo angeklagt worden. Regierungschef bis Ende 2000 war Kadré Desiré Ouédraogo, seit dem 12.11.2000 ist es. Paramanga Ernest Yongli. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2002 wurden 111 Abgeordnete aus 13 Parteien gewählt.


Von der Bevölkerung sind etwa 44 % Moslems, 18 % Christen, 38 % Anhänger von Naturreligionen.


Die Lebenserwartung sinkt beständig und ist jetzt nur noch etwa 45 Jahre. Im Juni 2001 tauschten auf dem Kongress SIRENA - Pharma 2001 mehr als fünfzig traditionelle Heiler aus sieben Ländern Westafrikas ihr Wissen aus, wie Leben mit natürlichen Heilmitteln zu retten ist. Ein großes Problem sind regelmäßig auftretende Meningitis - Epidemien: im Jahr 2001 trat die Krankheit über 3000mal auf, über 500mal führte sie zum Tod. Die Einschulungsquote ist, anders als in manchen anderen Ländern, in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen; die Anaphabetenquote ist mit 58 bzw. 87 % (männlich/weiblich) trotzdem extrem hoch.


Die Vertretungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind:

Deutschland und die Schweiz:
Botschaft der Republik von Burkina Faso,
Karolingerplatz 10/11, 14052 Berlin, Tel. 030 / 3010 5990, Fax 030 / 3010 599-20, e-mail:
embassy_burkina_faso@t-online.de
Österreich:
Prinz Eugenstraße 18 / 3A, 1040 Wien, Tel. 01 / 503 8264,
e-mail:
amba-burkina-vienna@teleweb.at.
Schweiz:
Deutschsprachige Schweiz und Tessin: Konsul Heinz Huerlimann, Sumatrastr. 25, 8006 Zürich, Tel. 01 / 350 5570
Französischsprachige Schweiz: Konsul Louis-Charles Levy, Av, Eugene Pittard 16, Case Postale 89, 1211 Genf 25, Tel. 02 / 2704 1818.

Bücher in deutscher Übersetzung und CDs erhalten Sie auf Anfrage (info@afrikahaus.net) und sind sehr zu empfehlen.
Im Internet:
www.primature.gov.bf, http://geocities.com/zogona/land.htm
www.modern-african-art.com
(Kunst)
Die sehr aktive Freundschaftsgesellschaft ist die DBFG, die
Deutsch- Burkinische Freundschaftsgesellschaft e.V.
DBFG, Weinbergstr. 10, 29574 Ebsdorf, Tel. 05822/1461
Bericht über ein
Frauenprojekt in Ouagadougou (page 270)

Impressum siehe Seite 1 (index)

Nationalfeiertag:
11. Dezember

Aktualisierte Politik- und Geschichtsdaten unter: www.netzwerk-afrika-deutschland.de/Land/Burkina-Faso.html