Die geschlossenen Türen
Spielfilm, Frankreich / Ägypten (36) 2000

Buch und Regie Atef Hetata
Mit Ahmed Asmi, Sawsan Badr, Mahmoud Hemeida, Manal Affi u.a.

Am Beispiel eines ägyptischen Jugendlichen zeigt der ägyptische Regisseur Atef Hetatas die Widersprüche der modernen arabischen Welt auf. Der Film spielt in Kairo während der Golfkrise. Der 16-jährige Mohammed lebt allein mit seiner Mutter Fatima, einer schönen und emanzipierten Frau - dem Anschein nach allein erziehend. Der Vater hat die Familie offenbar vor Jahren verlassen, der ältere Bruder gilt seit dem irakisch-iranischen Krieg als vermisst. Damit Mohammed sich seinen Traum, Pilot zu werden, erfüllen kann, arbeitet Fatima als Hausangestellte, was dem Sohn gar nicht recht ist. In der Schule fällt Mohammeds träumerisches Wesen unangenehm auf. Der Lehrer empfiehlt - aus durchaus eigennützigen Motiven - Nachhilfeunterricht, womit er und seine Kollegen sich ein Zubrot verdienen (und genauer auf die Abschlussprüfung hinarbeiten als im Klassenunterricht). Die Koranschule hingegen bietet kostenlosen Unterricht an, den Mohammed auch wahrnimmt. Im Lauf der Zeit fühlt er sich immer mehr von den islamistischen Werten und dem Scheich angezogen. Als schließlich der Mullah sogar seine Mutter neu verheiraten möchte, kommt es zum Streit, denn die wird mittlerweile von seinem Klassenlehrer umworben, der ihm jetzt auch kostenlos Nachhilfeunterricht gibt. Für Mohammed ist dieser Mann ein Eindringling. Aus Protest gegen die Beziehung zieht er durch die Straßen und schließt Freundschaft mit einem Straßenjungen. Auch er beginnt nun, auf der Straße zu leben und verkauft Blumen. Halt findet er nur noch bei den Mullahs. Schließlich verlangt er von der Mutter, nur noch verschleiert aus dem Haus zu gehen und nicht mehr zu arbeiten. Damit kommt es zum offenen Bruch, die Mutter wirft ihn heraus und lebt ihr eigenes Leben - mit dem Lehrer. Mohammed dringt schließlich in die Wohnung des Lehrers ein, überrascht die Beiden und tötet sie.

Abgesehen von den Einblicken in moderne und althergebrachte Ordnung in arabischen Familien (und in das ägyptische Schulsystem) überzeugt der Film vor allem durch seine ruhige Kameraführung und die schauspielerische Leistung der Hauptdarsteller/in.

106 Minuten


Ihr eigenes Leben / Abschlussklasse - 1995
(Les années lycée - Sa vie à elle)
Frankreich / Algerien 1995
Regie Romain Goupil,
Buch Zaida Ghorab-Volta, Jean-Francois Goye und Romain Goupil

Der Film zeigt die Angst eines jungen algerischen Mädchens in Paris, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, als sie sich entschließt, in der Öffentlichkeit einen Schleier zu tragen.

Yaqine, Tochter algerischer Immigranten, ist eine der besten Gymnasiasten. Die 17-jährige lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in einem Pariser Vorort. Auf der Suche nach einer Identität beginnt Yaqine, sich Fragen über Integration und den Sinn ihrer Herkunft zu stellen. Als Folge darauf erscheint sie unvermittelt verschleiert im Unterricht und keiner, auch nicht die Familienangehörigen, versteht, warum. Ihre „Revolte" sorgt für Aufregung, Ärgere und heftige Diskussionen mit Eltern, Geschwistern, Freundinnen und Lehrern. Jeder versucht aus seiner jeweiligen Sichtweise, seiner Generation und seinem Milieu heraus dem Mädchen zu helfen, ihre inneren Konflikte zu bewältigen.

Anhand eines fiktiven Falls, der sich aber an im Frankreich der Neunziger authentischen Ereignissen orientiert, wird die Integrationspolitik in Form einer gegliederten Chronologie behandelt: keine bloße Gegenüberstellung verschiedener Meinungen, sondern eine bewusste Kontrastierung von Alltagsmilieus und ihren konkreten Schauplätzen. Das Badezimmer - der Platz in der Wohnung, wohin sich die Geschwister vor ihren Eltern flüchten [für meinen Geschmack zu lange gleiche Einstellungen] - , das Büro des Schuldirektors, die Wohnung, neue und alte Schule: alle diese Orte stellen einen anderen Blickwinkel dar, ähnlich vielfältig wie die unzureichenden Hypothesen über die Entscheidung und Motivation Yaqines. Ein gut gemachter (und sehr gut fotografierter) Film mit einer beeindruckenden Hauptdarstellerin (Sabrine Houicha).

84 Minuten


Salam
Frankreich / Marokko 1999
Buch und Regie Souad El-Bouhati
Mit Benaissa Ahaouari, Mohamed Damraoui, Fella Zadeq, Daniel Isoppo, Abd el Kader, Yao Konan u.a.

Der marokkanische Immigrant Ali steht kurz vor der Pensionierung und damit vor der Entscheidung, ob er seinen Lebensabend in der geliebten Heimat Marokko, die ihm in der Zeit seiner Emigration fremd geworden ist, oder in Frankreich verbringen soll. Ein Kurzfilm, der auf dem Kurzfilmfestival in Brest 2000 den ARTE-Preis erhielt, 2001 erhielt er einen César.

30 Minuten


Schwarzer Bruder
(Negro)
Frankreich 2000
Buch und Regie: Karim Akadiri-Soumaila
Mit Pascal Gormy (Harry), Moussa Koma (Franck), Max Edouard Balthazard (Souleyman), Aissa Malga (Aissa) u.a.

Der 16jährige Harry aus Mali lebt in Bordeaux in einem Heim der staatlichen Jugendfürsorge. Als er eines Tages die Nachricht vom Tod seiner Mutter erhält, bricht er aus. Gemeinsam mit Franck, einem von den Antillen stammenden Jungen, der genug von seinem Gewalt tätigen Vater hat, macht er sich auf den Weg zu seinem 14jährigen Bruder Souleyman, der auf dem Land in einer Pflegefamilie untergebracht ist, um mit ihm zur Familie nach Mali zurück zu kehren. Souleyman reagiert zunächst ablehnend: Er kennt seinen Bruder kaum und war bislang glücklich in seiner Pflegefamilie. Als er aber erfährt, dass ihm der Tod seiner leiblichen Mutter verschwiegen wurde, empfindet er dies als Verrat. Harry, Franck und Souleyman brechen nach Bordeaux auf, um dort das Geld für die Reise nach Mali zusammen zu bringen. Sie versuchen dies zuerst mit kleineren Diebereien, hausen in einer alten Fabrikhalle und versuchen, das Leben trotzdem zu genießen.

Schließlich schaffen sie einen „sozialen Aufstieg" über die Zusammenarbeit mit dem Hehler Djamel, der ihnen erlaubt, gegen regelmäßig abzuliefernde Diebesbeute in die leer stehende Wohnung eines Hochhauses zu ziehen, in dem er Hausmeister ist. Kontrolliert wird diese Siedlung von einer Jugendgang, den „Wild Cats". Auch dieser Bande muss das Trio einen Teil der Diebesbeute abliefern. Der Plan von der Reise nach Mali scheitert. Souleyman flüchtet oft zur Familie seiner neuen Freundin Aissa, die in einer Zeltstadt lebt. Als sie auch von dort vertrieben werden, organisiert Souleyman Wohnungen in seiner Siedlung, ohne zu ahnen, dass sein Bruder und Franck nichts mit „den Afrikanern" zu tun haben möchten. Nun beginnen auch die Mitglieder der „Wild Cats" immer brutalere Geldforderungen an ihn zu stellen. Die Situation droht zu eskalieren...

Laiendarsteller spielen in Karim Akadiri-Soumalias Film die tragenden Rollen. Es sind entwurzelte Jugendliche in einer kriminellen Vorstadtszene, die es ihnen in ihrem realen Leben ebenso wie im Film unmöglich macht, zu ihren Familien zurückzukehren.

87 Minuten


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