Honig und Asche
Buch und Regie: Nadia Anliker Fares
mit Nozha Khouadra, Amel Ledhili, Samia Mzali, Lara Chaouachi, Naji Najeh, Slim Larnaout und Jamel Idriss
Schweiz /
Tunesien 1995

Ein Episodenfilm, in dem das Leben dreier nordafrikanischer Frauen gezeigt wird, die sich -etwas konstruiert- über den Weg laufen: Leila, etwa 20 Jahre alt, ist mit dem etwa gleichaltrigen Hassan befreundet. Weder duldet ihr Vater diese Beziehung noch die Mutter von Hassan. Nach einem Ausflug auf dem Moped von Hassan, das mit einer Schlägerei zwischen Hassan und drei anderen Jugendlichen sowie ihrer Flucht zur Hauptstraße endet, wird sie von ihrer Lehrerin und deren Tochter im Auto mitgenommen und zu Hause abgegeben. Die Lehrerin und vor allem ihre Tochter haben viel Verständnis für Leila und so versucht die Lehrerin, Leila bei ihrem Vater zu entschuldigen. Der tut zuerst verständnisvoll, schlägt sie dann jedoch recht brutal, was dazu führt, dass sie das Haus verlässt und bei ihrem Freund Unterschlupf suchen will - doch dessen Mutter verbietet das definitiv. Leila geht in die große Stadt, um dort weiter zur Schule zu gehen. Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich als Prostituierte. Gerade als sie sich entschieden hat, dieses Leben aufzuhören, kommt ihr Freund, der davon nichts weiß, zu ihr und versucht, sie zu vergewaltigen. Dabei ersticht sie ihn und landet im Gefängnis.

Amina, die zweite Frau, hat ihren ehemaligen Lehrer, den liberal erscheinenden Universitätsprofessor Moha geheiratet. Das Paar hat eine Tochter. Wie so oft, entpuppt sich der Ehemann auch hier als brutaler Schläger, der unbedingten Gehorsam fordert und sie so brutal misshandelt, dass sie ins Krankenhaus muss. Hier lernt sie die Ärztin Naima kennen. Sie verlässt ihren Mann.

Naima ist 45 Jahre alt und allein erziehende Mutter einer Tochter. Ihr Leben als Ärztin erfüllt sie. Sie setzt sich für Leila ein, als diese ins Gefängnis kommt, und freundet sich mit Amina an. Mit den beiden Frauen verbindet sie auch die Sehnsucht nach einem selbst bestimmten Leben und der Traum von einer intakten Beziehung. Als junges Mädchen floh sie ins Ausland, um dem von ihrer Familie ausgewählten Mann zu entkommen. Ihre positiven Erfahrungen und ihr Selbstbewusstsein gibt sie an ihre Tochter Mounia weiter (hervorragend gespielt von Lara Chaouachi!). Eingezwängt zwischen islamischer Tradition und Moderne, leiden die drei Frauen unter ähnlichen Formen von Gewalt, Unterdrückung und männlicher Doppelmoral. Stilistisch hervorragend gemacht, leidet der Film etwas unter mancher offensichtlicher Konstruiertheit und seinem plötzlichen Schluss. Dennoch ist er sehr empfehlenswert, gute Schauspielerinnen und Regie lassen ihn nicht so leicht vergessen.

Dauer: 75 Minuten


Angano...Angano / Geschichten aus Madagaskar

Regie und Buch: Marie-Clémence und César Paes
Frankreich 1989

Im Zentrum der mehrfach preisgekrönten Dokumentation steht die mündliche Überlieferung madagassischer Märchen und Legenden, die von den Alten an die Jungen weiter gegeben werden. Sie handeln von der Erschaffung der Welt und der Menschen und davon, wie die Tochter des Himmelsgottes auf die Erde herab stieg, zur Gefährtin des Menschen wurde und ihm den Reisanbau erklärte. Diese Legenden stellen den Geschichtsschatz dar, den die Menschen auf Madagaskar in ihrem Herzen tragen... In den Märchen und Legenden sind die Bräuche verankert, die Europäern oder auch Besuchern vom afrikanischen Festland oft sehr fremd sind. So exhumiert man beispielsweise zu Staub zerfallene Leichen, wickelt sie in seidene Tücher und bettet sie anschließend wieder in die Grabstätte, damit sie nun den ewigen Frieden finden.

Dauer: 64 Minuten


Kukurantumi - Road to Accra

Regie: King Ampaw
Ghana 1983

Kukurantumi ist ein kleines Dorf in Ghana. Addey, ein LKW-Fahrer, lebt dort mit seiner Familie. Jeden Tag pendelt er mit seinem Lastwagen mit Holzbänken für die Passagiere auf der Ladefläche zwischen Kukurantumi und der 100 Kilometer entfernten Hauptstadt Accra. Eines Tages ereignet sich ein Unfall, an dem Addey zwar keine Schuld hat, weil die Bremsen versagten, aber er verliert trotzdem seinen Job. Wie viele andere auch, versucht er nun sein Glück in Accra. Seine Frau Sewa und die Tochter Abena will er später nach holen. Mit geliehenem Geld und einem noch älteren Lastwagen beginnt Addey eine Unternehmerkarriere. Als reicher Mann kehrt er nach Kukurantumi zurück und will seine Tochter mit seinem Gläubiger verheiraten. Doch Abena liebt ihren Bob und flieht mit ihm. Allein kehrt Addey nach Accra zurück und verwickelt sich nun immer mehr in Widersprüche zwischen traditioneller Lebensform und der hauptstädtischen Geschäftemacherei.

Dauer: 90 Minuten


Flame

Regie: Ingrid Sinclair
Simbabwe / Namibia / Frankreich 1996

Fünfzehn Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs gegen das rassistische Regime von Ian Smith in Rhodesien treffen sich die beiden Freundinnen Florence und Nyasha. Seit dem Ende des Krieges haben sich die beiden nicht mehr gesehen. Nyasha arbeitet in der Hauptstadt Harare, Florence war wieder in das Dorf zurück gekehrt, das die Beiden im Alter von fünfzehn Jahren verlassen hatten, um am Kampf für die Unabhängigkeit Simbabwes teil zu nehmen. In Rückblenden zeigt der Film, wie Florence´Vater denunziert und abtransportiert wird - und jeder weiß, dass er nicht wieder ins Dorf zurückkehren wird. Florence und ihre Freundin Nyasha verlassen das Dorf und schließen sich in Moambique der Befreiungsarmee Simbabwes an. Aus Flame, der bisherigen Florence, wird eine harte und mutige Kämpferin, Liberty, die bisherige Nyasha, nutzt ihre Chance, Zugang zu Bildungsmöglichkeiten zu haben. Als der Krieg endlich vorbei ist, stellen sie beide fest, dass die politische Unabhängigkeit trotz der damit einher gehenden gesellschaftlichen Veränderungen nur wenige ihrer Hoffnungen erfüllten. Doch statt zu resignieren, sind beide bei ihrem Wiedersehen entschlossen, den Kampf für ihre persönliche Freiheit weiter zu führen.

Dauer: 90 Minuten

Der folgende Film ist zwar kein „afrikanischer" Film, behandelt aber ein relativ häufiges Schicksal:
Nur adoptiert (Tresse d'Aminata)
Regie: Dominique Baron
Frankreich 1999

Geschichte eines aus dem Senegal adoptierten Mädchens (eindrucksvoll gespielt von Johanna Coco), das in einer französischen Familie an der bretonischen Küste lebt und plötzlich erfahren muss, dass sie in Zukunft nicht mehr als einziges Kind von ihren Eltern geliebt wird, weil die Mutter wider Erwarten doch noch schwanger wird. Von einigen Schwächen des Buches abgesehen (das unnötigerweise zusätzlich überladen ist durch Probleme in ihrer Freundschaft mit Lea und deren Freund Yvan, den sie ihr ausspannt) durchaus sehenswert.

Dauer: 89 Minuten

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Liste der Filmbesprechungen (page 32)