Die ständige Furcht vor der nächsten Katastrophe

Im Südosten Madagaskars leiden die Menschen unter den Naturgewalten: immer wieder ziehen Zyklone über das Land, zerstören Häuser, Felder und lassen die Flüsse über die Ufer treten. Manchmal wird die Region auch von einer Dürre oder einer Heuschreckenplage heimgesucht. Die Deutsche Welthungerhilfe unterstützt die Madagassen dabei, die Folgen der Katastrophen zu beseitigen - und auf den nächsten Sturm besser vorbereitet zu sein (nach einem Artikel in der DWHH-Zeitung Welternährung 2/00)

Am Rand der Kalksteinhochebene, die Madagaskars Südosten wie ein Riegel durchzieht, erstrecken sich Tropenwälder, auf die die kaum bewohnte, spärlich bewachsene Savanne folgt. In Richtung zur Küste hin haben die Kräfte der Natur im Lauf der Zeit eine sanft hügelige Landschaft geformt. Flüsse durchziehen die Tiefebene, in der nur wenige kleinere Städte liegen. Das Gebiet ist etwas kleiner als die Camargue und recht fruchtbar, auch die Regenmengen sind ausreichend. Wenn allerdings im Frühjahr regelmäßig Wirbelstürme übers Land ziehen, ergießt sich über die Insel mehr Wasser als erforderlich.

Der Zyklon Hudah, der Anfang April [2000] große Schäden auf Madagaskar zeitgleich mit den Überschwemmungen in Mosambik anrichtete, verschonte zwar diese Region, doch hatte es hier im Frühjahr schon zwei andere Zyklone gegeben, die wieder Häuser abdeckten, Bäume entwurzelten und Dämme vieler Wasserbecken zum Bewässern der Reisfelder zum Brechen brachten. Die Schäden waren allerdings geringer als beim Wirbelsturm Gretelle vor drei Jahren, der über 60.000 Menschen obdachlos machte. Monate lang lag die fruchtbare Kulturlandschaft damals unter Wasser, Dämme, Deiche und Rückhaltebecken wurden zerstört und noch Wochen nach dem Abzug der Wassermassen versperrten viele umgeworfene Bäume die schlechten Pisten.

Nach dieser Katastrophe wurde für das Gebiet Farafangana ein
„Ernährungssicherungsprogramm" beschlossen - besonders auch deshalb, weil nicht nur regelmäßig Zyklone auftreten, sondern auch Dürreperioden und immer wieder Heuschreckenschwärme die Ernte vernichten. Ist ein Reisfeld durch einen Wirbelsturm oder einen Heuschreckenschwarm erst mal vernichtet worden, gibt es wenige Wochen später eine Hungersnot hier. Aber selbst wenn Aussaat, Pflege und Ernte gut verliefen und keine Naturgewalten alles zunichte machten, ist der Ertrag je Hektar vergleichsweise lächerlich niedrig: 900 kg Reis stehen chinesischen Erträge von 15 Tonnen gegenüber!! Dafür gibt es nun wieder einen ganz anderen Grund: wenn die Bauern mehr anbauen würden und den Überschuss einlagerten, würden ihnen die Vorräte in der Nacht gestohlen. Traditionell sind auch in Madagaskar die Aufgaben der Landbevölkerung getrennt: wie häufig woanders auch, machen die Männer das Land urbar und überlassen Saat und Pflege den Frauen. Hier sind es die Männer, die mit ihren Ochsen pflügen, die Frauen, die für das Setzen der Reispflanzen und die Bewässerung verantwortlich sind. Nur die Ernte wird in aller Regel gemeinsam gemacht.

Als 1998 das Ernährungssicherungsprogramm eingeführt wurde, mussten
zunächst Infrastrukturmaßnahmen vorgenommen werden: Bäume von den Straßen entfernen, die tiefen Löcher wieder auffüllen, die eingestürzten Holzbrücken wieder erneuern, Dämme und Deiche reparieren. Später wurden die teilweise zerstörten Wohnhäuser von 500 Haushalten repariert. Als Gegenleistung für die Infrastrukturmaßnahmen erhielten die Mitwirkenden Lebensmittel (in der Regel pro Kopf täglich zwei Kilogramm Reis Trockenfrüchte und ein Kilogramm Reis aus dem Welternährungsprogramm WFP). Es wurde Saat- und Pflanzgut verteilt mit der Maßgabe, dass nach der Ernte die Hälfte des Saatguts wieder zurückgegeben werden müsste.

Erste
Erfolge sind nach zwei Jahren Projektdauer zu sehen. Die Gewürzhändler, die früher kaum in diese Gegend mit den schlechten Wegen kamen, fahren heute in die Dörfer und kaufen den Bauern Kaffee, Nelken und Pfeffer ab. Weitere Erfolge sind die Erneuerung des Bewässerungssystems; Rückhaltebecken wurden mit Betonüberlauf und stabilen Schleusen versehen, so dass die jeweils benötigte Wassermenge pro Feld genau bemessen werden kann. Wo immer möglich, wurden Reisfelder jetzt weit verstreut neu angelegt und nicht wie bisher zusammen, um bei Überschwemmungen oder Wirbelsturm nicht gleich die ganze Ernte zu verlieren.

Darüber hinaus wurde auch mit Unterstützung der Europäischen Union ein landesweiter Ansatz zum Schutz vor den Folgen von Wirbelstürmen begonnen: Staatsfernsehen und Rundfunk forderten die Menschen in gefährdeten Gebieten auf, beim Herankommen des Zyklons Hudah den Strom abzustellen, bereits abbrechende Äste sicherheitshalber ganz abzusägen, die Dächer mit Steinen zu beschweren und mit samt ihrer Tiere (Hühner, Ziegen, Schafe) feste Unterkünfte aus Beton aufzusuchen. - Allerdings gibt es in der Farafangana kein Fernsehen und nur sehr wenige Radios...

(nach Thomas Veser / mit freundlicher Genehmigung
© Deutsche Welthungerhilfe)


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