Unterricht unter dem Mangobaum


Vor vier Jahren verkündete Präsident Yoweri Museveni, dass ab sofort der Staat die Schulgebühren übernehmen wird. Seit dem sind Ugandas Grund- und Sekundarschulen überfüllt. Auf einen Schlag verdoppelte sich die Zahl der Schüler und Schülerinnen, denn vorher ging nur jedes zweite Kind zur Schule. Diese Idee des Präsidenten ist höchst ungewöhnlich, in anderen Ländern, besonders in Westafrika, wird gerade an den Bildungskosten immer wieder gestrichen. Museveni hat erkannt, dass Bildung nicht nur ein Recht ist, sondern auch ein Weg ist, Armut zumindest zu verringern. Wer lesen und schreiben kann, wer ein bisschen Englisch (bzw. Französisch) kann und rechnen lernte, kommt besser zurecht, lässt sich nicht so leicht +übers Ohr hauen.

Mit seinem Programm
„Bildung für alle" hatte Museveni daher versprochen, allen Kindern auf dem Land und in der Stadt größere Chancen für die Zukunft zu geben. Auch Kinder aus armen Familien sollten eine Chance bekommen. Dieses Programm wurde allerdings schlecht geplant, Schulen und Lehrer auf einen solchen Ansturm nicht vorbereitet. So schnell konnten weder Klassenräume zur Verfügung gestellt werden noch Lehrer ausgebildet werden. Schulbücher gibt es auf dem Land fast gar nicht. Schon zuvor hatten die Klassen oft 100 und mehr Schüler, nach der überraschenden Ankündigung des Präsidenten gab es nun häufig Klassenstärken von 120 bis 160 Schülern! Selbstverständlich ist jeder Lehrer damit überfordert und der angebliche „Unterricht" dann oft auch nur ein Ruhighalten und Betreuen. Richtig lernen kann man da kaum (und umso erstaunlicher ist es immer wieder, dass Absolventen auch solcher Massenschulen es schaffen, an Sekundarschulen mit oft auch noch 60 bis 80 Schülern das Abitur zu machen und im In- oder Ausland zu studieren! Diese Leistung ist gar nicht hoch genug einzuschätzen!). Die Regierung zahlte den Schulträgern immerhin den Gegenwert von einer Mark pro Schüler und Monat, das reichte aber weder für den Neubau von Klassen noch für deren Instandhaltung.

Nun hat die Regierung die Bildungspolitik aber zu einem Schwerpunkt ihrer Politik gemacht und ein sehr
ehrgeiziges Bildungsprogramm aufgelegt. Die Ausgaben für die Grundschulen wurden kräftig erhöht und mehr Lehrer wurden eingestellt. Ausländische Entwicklungsorganisationen geben Millionen, um Schulen zu bauen, Bücher anzuschaffen und Lehrer besser auszubilden.

Diese offensive Einstellung der Regierung hat auch Eltern bewogen, sich zu engagieren. An vielen Orten im Land helfen sie mit, Schulräume zu schaffen, Sand und Kies herbeizuschaffen, Ziegel an der Luft zu trocknen bzw. zu brennen und unentgeltlich beim Bau mit zu helfen. Es ist ja auch nicht so, als ob die Eltern nun gar keine Kosten mehr hätten für ihre Schulkinder: praktisch jedes Kind in Afrika trägt eine Schuluniform, und auch wenn die Stoffe dafür in der Regel vom Staat gefördert werden, kostet so eine Uniform mindestens acht Mark; Hefte und Stifte („Bics") müssen ebenso bezahlt werden wie das Mittagessen, das in vielen Ländern zum Schulalltag dazu gehört.

Viele Familien verdienen noch nicht einmal so viel Geld, dass sie diese Sachen bezahlen können (von Schuhen schon ganz abgesehen, oft gehen die Kinder barfuß oder in Plastiksandalen zur Schule). Ihre Arbeit auf den Feldern und ihr bisschen Vieh bringt gerade genug zum Leben ein. Wenn in der Trockenzeit alle Vorräte zur Neige gehen, bleiben daher oft Kinder zu Hause, und wenn Erntezeit ist, sowieso. Allerdings gibt es in dieser Zeit auch oft Ferien. Dennoch ist es oft so, dass der Schulbesuch, der vom Ansatz ja gerade dazu gedacht ist, die Armut zu verringern, genau durch die Armut verhindert wird. Ganz anders ist es in den Städten: hier gibt es Privatschulen, oft sogar internationale Schulen, auf die besser verdienende Familien ihre Kinder gerne schicken. Je mehr sich die Schere zwischen Arm und Reich auch in afrikanischen Ländern öffnet (und in den Städten ist das extrem), desto mehr schießen Privatschulen aus dem Boden. Für die Kinder auf dem Land ist diese Art von Bildung noch ein Traum. In Westafrika hingegen ist es oft so, dass Angehörige einer Großfamilie zusammen legen, um einem der Ihren es zu ermöglichen, auf eine gute Schule zu gehen, nehmen auch Schulgeld in Kauf, in der Hoffnung, dass der von ihnen „gesponsorte" Schüler nach seiner Ausbildung auch der Familie etwas zurück gibt...

(unter Verwendung eines Berichts von Uwe Hoering in der Zeitung „Welternährung" der DWHH Bonn)

Zurück zur Uganda - Seite (page 87)

Impressum:

Sie erreichen uns auf verschiedene Weise:
- per
e-mail:   
(Musik@afrikahaus.de / Bücher@afrikahaus.de /
  Termine@afrikahaus.de
 Webmaster@afrikahaus.de)
- per
Fax:              (+49) (0)5681 / 9309 - 77
- per
Telefon:       (+49) (0)5681 / 9309 - 99
- per
Post:             Postfach 1214, 34568 Homberg
-
persönlich:         Remsfelder Str. 4, 34576 Homberg
-
Ansprechpartner / Inhaber: Jan Klevinghaus
-
inhaltlich Verantwortlicher gemäß § 6 MDStV:
 
Jan Klevinghaus
-
Umsatzsteuer-Identifikationsnummer gemäß

  § 27a Umsatzsteuergesetz: DE 213693538